Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.
5. Mose 26,11 (EU)
Du sollst… Ein bisschen klingt das wie Freude als Pflichtübung. Lachen auf Kommando? Befohlenes Lustig-Sein? Lustig ist der Fasching: In Kostümen mit Konfetti und Krapfen wird das Leben für ein paar Stunden leichter. Das hat seinen Platz, doch Lustig-Sein ist oft auch ein Lärm, der überdecken soll, was man nicht spüren will.
Sich freuen dagegen ist etwas anderes. Nicht der schnelle Effekt, sondern ein ruhiger Trotz, der sagt: Ich sehe das Schwere und ich übersehe das Gute nicht. Freude ist keine Verdrängung, sondern Aufmerksamkeit. Nicht „alles ist gut“, sondern: da ist Gutes. Und das ist nicht selbstverständlich.
Und dann stolpere ich in Gedanken noch über einen anderen Unterschied: gut vs. besser. „Besser“ ist das Wort der Daueroptimierung. Besser funktionieren. Besser wirken. Besser leben. Wer ständig „besser“ will, hat selten Zeit, „gut“ überhaupt auch nur wahrzunehmen. „Gut“ ist oft unspektakulär: Ein Mensch, der freundlich bleibt. Ein Tag ohne Katastrophe. Ein Satz, der trägt. Brot auf dem Tisch. Wärme im Haus.
Der Monatsspruch für Februar bewahrt uns vor der Optimierungsfalle: Freu dich am Guten. Nicht an allem, was passiert. Nicht am Schmerz. Nicht an der Weltlage. Sondern am Guten, das mir gegeben ist und das ich vielleicht zu leicht übersehe, wenn ich mich ans „besser“ klammere.
Und so will ich mir vom Fasching helfen lassen, nicht als Pflicht-Heiterkeit, sondern als Zeichen, dass ich nicht festgelegt bin auf das, was mich gerade runterzieht. Ich darf anders auftreten, anders atmen, kurz die Welt umdrehen. Nicht um die Wirklichkeit zu vergessen, sondern um ihr zu widersprechen: Es muss nicht so bleiben.
Hoffnung im Februar und Fasching ist vielleicht das: Nicht laut. Nicht dauernd lustig. Sondern ein schlichter, widerständiger Satz: Das Gute zählt. Heute.
Herzlichst,
Ihr/Dein Pfr. Rudolf Waron
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- Frau mit Smiley-Luftballon: Lidya Nada auf Unsplash

