Creative floral arrangement using wooden shoes as planters on a rustic wall.

#43: Mach’s gut – aber nicht perfekt

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Offenbarung 21, 5a (LUT)

Danke! Das hört sich an, als würde jemand endlich die großen Baustellen in meinem Leben übernehmen. Das trifft sich gut. Also zurücklehnen und die Füße hochlegen? Angesichts der Welt um mich herum ein verlockender Gedanke. Und erst angesichts der Welt in mir. Halb so wild, oder doch nicht?

Was mir an diesem Vers gefällt: Er macht den Blick weiter. Nicht weil er sagt „Alles halb so schlimm“, sondern eher: „Es muss nicht so bleiben.“ Das entlastet. Nicht weil mir alles egal sein kann, sondern weil ich nicht so tun muss, als hinge die Welt an meiner To-do-Liste.

Die Verantwortung bleibt trotzdem bei mir. Ich kann mich nicht aus meinem Leben ausklinken. Gott macht neu, also lasse ich es? Im Gegenteil: Gerade weil ich Hoffnung habe, kann ich hinschauen, Dinge anpacken, gegenüber anderen fair bleiben, helfen, wo es geht. Nur eben ohne den Anspruch, alles perfekt hinzubekommen.

Denn Perfektionsdruck ist ein Stimmungskiller. Er flüstert: „Wenn du es nicht richtig machst, lass es lieber.“ Oder: „Streng dich mehr an, sonst wird’s nie gut.“ Am Ende macht er müde und letztendlich hart. Die Jahreslosung setzt da einen anderen Ton: Mach’s gut. Ja. Aber du bist nicht die letzte Rettung. Du darfst begrenzt sein. Du darfst lernen. Du darfst auch mal scheitern und trotzdem wieder anfangen.

Und dann ist da noch die Angst vor den Mächtigen, vor Dingen, die größer sind als ich selbst, vor dem Unfassbaren. Ich will nicht behaupten, dass der Satz jede Angst wegzaubert. Aber er kann wie ein Geländer sein: Ich bin dem nicht völlig schutzlos ausgeliefert. Es gibt eine größere Geschichte als die, die mir gerade den Atem nimmt.

Es ist schon eine feine Mischung, die ich für das neue Jahr gut brauchen kann: Hoffnung, die mich nicht ausweichen lässt und gleichzeitig Verantwortung, die mich nicht zerdrückt. Und bei all dem ein befreiendes Augenzwinkern: Ich muss nicht alles neu machen. Dieser Posten ist schon vergeben. Meine Aufgabe ist: Heute das Gute tun, das möglich ist – und beim Rest nicht zwanghaft versuchen Gott zu spielen. Zurücklehnen, aber richtig!

Ich wünsche Ihnen/Dir alles Gute für das Neue Jahr!

Herzlichst,
Ihr/Dein Pfr. Rudolf Waron

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