Noch gibt es keine Feigen oder Trauben, noch sind keine Oliven zu ernten; noch wächst kein Korn auf unseren Feldern und die Schafhürden und Viehställe stehen leer
Habakuk 3, 17f (GNB)
und doch kann ich jubeln, weil der HERR mir hilft; was er zugesagt hat, erfüllt mich mit Freude.
„Danke für Nichts“ – ja, das klingt ruppig. Aber manchmal trifft es den Nerv: Dürre und Überschwemmungen im Wechsel, Teuerung, die den Kassenzettel in eine Zumutung verwandelt, Kriegsmeldungen, die den Morgenkaffee bitter machen, Krankheit, die Pläne schrumpfen lässt. Da wirkt Erntedank schnell wie ein Fest aus einer Parallelwelt. Wofür also danken?
Habakuk hilft, die Kurve zu kriegen. Er redet die Lage nicht schön. Er zählt nüchtern auf, was fehlt – Feigen, Trauben, Öl, Korn, Vieh. Eine Bilanz mit roten Zahlen. Und genau danach sagt er sein „und doch“, ist er mit Freude erfüllt, ist er dankbar.
Sein „und doch“ ist keine Trotzreaktion, keine Schönreden, sondern eine geistliche Entscheidung. Habakuk sagt damit: Ich hänge meinen Dank nicht an die Menge der Gaben, sondern an den Geber. Nicht an die Kurve der Erträge, sondern an die Treue Gottes. Dank ist hier kein Beifall für gute Umstände, sondern ein Bekenntnis: Gott bleibt gut – selbst wenn vieles nicht gut ist.
Das „und doch“ bringt Veränderung:
- Es entmachtet die Angst. Wir sehen, was fehlt, ohne uns von Mangel definieren zu lassen.
- Es macht handlungsfähig. Dank ist kein Betäubungsmittel, sondern Zündfunke: teilen statt horten, bewahren statt verbrauchen, ermutigen statt meckern.
- Es verbindet Klage und Hoffnung. Wir verschweigen den Schmerz nicht – und wir liefern ihn nicht den Schlagzeilen aus. Wir sagen beides: „Es ist schwer“ und „Gott bleibt treu“.
Erntedank ist nicht der Applaus für ein gutes Jahr, sondern die Ansage: Gottes Güte trägt – in Fülle und in Knappheit. Danke für Nichts? Nein. Danke für das „und doch“.
Herzlichst,
Ihr/Dein Pfr. Rudolf Waron
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