Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Johannes 14,27 (LUT)
Erinnern Sie sich an Nicole und ihr Lied? „Ein bisschen Frieden“ hat sie sich 1982 gewünscht und den Eurovision Song Contest gewonnen. Am Ende der ersten Strophe singt sie:
Ich singe aus Angst vor dem Dunkeln mein Lied
Und hoffe, dass nichts geschieht
Der Schlager ist in die Geschichte eingegangen. Die Erinnerungen an den Falklandkrieg damals sind hingegen verblasst. Der Wunsch nach ein bisschen Frieden (und ein bisschen Sonne) wurde seitdem oft geträumt. Dabei musste Frieden oft hart erstritten und erkämpft werden. Opfer auf allen Seiten, Schmerzen und Verletzungen.
Ein bisschen Frieden klingt mehr nach einem Waffenstillstand. Ein bisschen ist zu wenig für einen Frieden, der so tief ist, dass er Ruhe und Gelassenheit schenken kann. Und dabei sehnen wir uns nach einem solchen Frieden. Und mit uns die Welt, damals wie heute.
Es sind zum einen die großen Konflikte, die unsere Welt erschüttern: Der Krieg in der Ukraine, der – so zynisch es klingt – von einem aktuelleren „übertrumpft“ wurde: Dem Konflikt im Nahen Osten. Ein Dauerbrenner im schlechtesten Sinn, der neu entfacht wurde. Es waren die mit nichts zu rechtfertigenden Massaker der Hamas an israelischen Bürgerinnen und Bürgern. Und nun ist es die Reaktion Israels, die große Sorgen bereitet. Die Vorboten und Maßnahmen gegen die Zivilbevölkerung lassen noch Schlimmeres befürchten. Es kann hier nur eine Seite geben, auf der man stehen kann: Auf der bei den Menschen.
Aber manchmal sind die großen Konflikte und Auseinandersetzungen weit weg. Nicht, weil wir schon zu abgebrüht wären. Es sind nicht nur die global wütenden Stürme, sondern die Stürme, die uns unmittelbar treffen. Ängste, Schmerzen und eine unsichere Zukunft lassen uns ähnlich wie Nicole für mehr als 40 Jahren hoffen. In diesen Tagen gedenken wir traditionell der Verstorbenen auf unseren Friedhöfen. Hier ist die Sehnsucht nach einem tieferen Frieden greifbar. Nach einem viel tieferen Frieden als alles, was mein Leben ins Wanken bringen will: Schmerz, Krankheit, Leiden und Tod.
Wir blicken zurück, wenn wir zu den Gräbern gehen. Wir dürfen aber auch nach vorne blicken. Hoffnungsvoll. Es wird immer wieder Situationen in meinem Leben geben, die mich überfordern. Ich kann mir noch so viel Gesundheit, Wohlergehen und Glück wünschen. Letztlich hilft all das nichts, wenn ich nicht einen tiefen inneren Frieden in mir habe. Und diesen Frieden, so sagt es Jesus, den kann nur Gott geben. Und darum sollen wir keine Angst haben. Was auch immer geschieht.
Jesus sagt das, kurz bevor er gefangengenommen, gefoltert und getötet wird. Ja, Gottes Friede ist anders. Tiefer. Diesen Frieden Gottes wünsche ich Ihnen und mir von Herzen: Shalom
Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron
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