Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.
Jakobus 1,22 (LUT)
Er ist inzwischen einige Jahre her, der Hype um die Krimiserie „Tatort“. Seit den 70er Jahren zieht sie mal mehr mal weniger Menschen in ihren Bann. Sie wurde immer wieder entstaubt, bekam ein sozialkritisches Skript und an verschiedenen Orten ganz unterschiedliche Typen an Kommissar*innen.
Woran ich beim Tatort zuerst denke? An den ewig gleichen Anfang. Das Auge von Horst Lettenmayer und die weglaufenden Schritte, dazu die Musik von Klaus Doldinger.
Der Monatsspruch für den Oktober 2023 drängt mir den Tatort förmlich auf. „Täter des Wortes“ ist ein wenig zwiespältig, es drängt sich mir ein Verständnis zwischen Kreuzzügen und Selbstmordattentätern auf.
So komme ich zum Tatort. Der Ort, an dem die Taten derjenigen, die auf Gottes Wort hören und danach tun, sichtbar werden. Und ich denke an die Kirche: Jenen Ort, der wie in der Krimiserie abgesichert ist und in dem die Befugten ihre Ermittlerarbeit leisten. Auch wenn wir in der Kirche meistens kein Absperrband haben, so scheint dieser Ort so vielen Mitmenschen wie abgesperrt und vor unbefugtem Zutritt sicher.
In der Kriminalistik umfasst die Tatortsicherung alle Maßnahmen, die erforderlich sind, um zu verhindern, dass ein Tatort verändert wird.
Und die Angst, dass etwas verändert werden könnte, treibt viele um, die am Tatort Kirche arbeiten.
Dabei stelle ich mir die Frage, warum die Angst vor Veränderung so groß ist? Im Krimi geht es darum, dass man herausfindet, was geschehen ist und dass man letztlich den Täter/die Täterin zu fassen bekommt.
Der Monatsspruch fordert uns alle dazu auf, Täter zu werden. Das Problem ergibt sich also nicht. Geht es also um die Spuren, die wir hinterlassen und die letztlich zu dem führen, von dem alles ausgeht? Der Auftraggeber sollte in unserem Fall auch leicht zu erkennen sein. Gott hat uns den Auftrag gegeben und sein Sohn Jesus Christus hat in seinem Leben beispielhaft vorgelebt, wie wir das anstellen können. Auch hat er uns Hinweise auf den Urheber gegeben, um ihm auf die Spur kommen können.
Aber ganz anders als im Krimi soll aus dem Ermittler ein Täter werden, aus der Spurensuche eine Tat.
Vielleicht sind wir manchmal eben zu sehr mit den Ermittlungen beschäftigt und vergessen, dass wir zu Täter*innen berufen sind. Und jede Tat verändert. Manchmal sogar die ganze Welt.
Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron
Bildquellen:
- Kirche Absperrband: Rudolf Waron

