Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Galater 5,1 (LUT)
„Frei sein“ gilt heute als Pflichtprogramm. Wer stehen bleibt, sich nicht laufend neu erfindet, entscheidet, optimiert, wirkt fremdbestimmt – nicht bei sich. Freiheit ist zur Leistung geworden, die ständig erbracht werden muss.
Genau hier setzt Paulus überraschend an. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ klingt nach großem Befreiungsschlag. Der eigentliche Dreh steckt aber im zweiten Satz: „So steht nun fest.“ Freiheit ist bei Paulus kein Besitzstand, den man einmal erreicht und dann hat. Sie ist eine Haltung, die gehalten werden will – täglich, gegen den Sog neuer Zwänge.
Diese Zwänge kommen heute selten religiös daher. Sie tragen eher die Namen Selbstverwirklichung, Vergleich, Erfolg. Sogar die Freiheit selbst kann zum Joch werden, wenn sie zur Dauererwartung wird: Sei frei. Sei du selbst. Sei glücklich.
Paulus würde vermutlich sagen: Diese Freiheit müsst ihr nicht herstellen, sie ist euch in Christus geschenkt. Ihr dürft in ihr stehen: nicht als Macher eurer eigenen Freiheit, sondern als Menschen, denen Gott schon jetzt zutraut, frei und verantwortlich zu leben.
Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron
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