Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.
1. Korinther 16,14 (LUT)
Man schreibt es schnell unter eine Karte, eine Postkarte, eine SMS an Menschen, die einem wichtig sind: „Alles Liebe.“ Eine Grußformel, die man kaum noch bewusst liest, weil sie so vertraut geworden ist. Fast eine Floskel.
Aber wenn man das Wort einmal auseinandernimmt – „Alle“ und „Liebe“, statt „Alles“ und „Liebe“ – dann steht plötzlich ein ganz anderer Satz da. Nicht mehr: Ich wünsche dir lauter gute Dinge. Sondern: Alle sollen Liebe bekommen. Nicht nur die Sympathischen, nicht nur die, die gerade gut drauf sind. Oder auf die Gemeinde bezogen: Nicht nur die, die sich in der Gemeinde auskennen und regelmäßig da sind, sondern: Alle.
Paulus schreibt am Ende eines seiner unruhigsten Briefe genau das: „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.“ Nicht: Sorgt erst dafür, dass alles stimmt, dann kommt die Liebe dazu. Sondern umgekehrt – die Liebe ist das, worin alles andere stattfindet, auch das Unfertige, Strittige, Ungeklärte. Auch die Wochen, in denen nicht alles rundläuft. Auch die Menschen, die selten kommen, die anders glauben, die überhaupt nicht recht wissen, ob sie noch dazugehören.
Insofern ist die alte Grußformel gar nicht so banal, wie sie klingt. „Alles Liebe“ und „Alle Liebe“ sind vielleicht näher beieinander, als die Rechtschreibung vermuten lässt. Beides gemeint, beides gewünscht: Alle(s) Liebe!
Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron

