Stress‘ di net

Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Kohelet 3, 13

Zur Zeit geht es richtig rund bei mir. Nun ist das Runde als Solches nicht schlecht, aber derzeit hat das Runde eine völlig überflüssige Ergänzung, die im Grunde das Gegenteil bezeichnet: Un. Und das bin ich: unrund.

Nachdem ich aber ja schon eigentlich irgendwie und überhaupt ein ziemlich organisierter Mensch bin, kann sie nicht an mir liegen, die Ursache für meine Unrundung. Und wenn ich zweifelsfrei und glaskar als Ursache ausgeschlossen werden kann, müssen es andere sein, also die anderen, wenn nicht alle anderen. Jetzt ist das für einen verantwortungsfreien Menschen nichts wirklich Neues, aber für selbstbestimmte und -bestimmende Menschen ist Fremdbestimmtheit bestimmt fremd und sogar befremdlich.

Da kann man eben nichts machen. Aber sicher kann man. Kann ich. Ja, ich kann. Aber wie so oft im bzw. in meinem Leben braucht es dazu andere. Die mir einen Spiegel vorhalten und sagen: „Du bist so unrund, gestresst.“ Und ich? Ich entgegne: „Nein, bin ich nicht! Ich habe nur zur Zeit viel zu tun.“ – „Wieso?“ – Bamm. Wieso eigentlich? Habe ich wirklich so viel mehr zu tun zur Zeit? Oder liegt es schlicht und einfach daran, dass ich das zu Tuende anders anpacke oder – böses Wort – einfach nicht mehr schaffe? Die Werbung hat machmal recht: Was Du nicht fertig machst, macht Dich fertig.

Und so hat es zwei Wochen gedauert, bis ich diese Zeilen hier fertig hatte. Und sie mich fertig gemacht haben. Jeden Tag. Und wieviel sonst noch fertig zu machen war – also an mir, nicht an den zwar vielen, aber doch irgendwie übersichtlichen Dingen und mit den vielen Menschen, die da auch noch mittun: Am Fest in Palbersdorf, an der Gemeindezeitung „mitteilen“, am Schulschluss & Krabbelgottesdienst-Abschluss, am Fest der Hoffnung, der Konfirmation, der goldenen Konfirmation, der Tauferinnerung und so weiter. Manches ist fertig, manches noch offen, aber auf einem guten Weg und das Beste daran: Ich bin nicht fertig, also nicht mehr.

Das klingt besser als man meint: „Ich war fertig und jetzt nicht mehr.“ Wobei ich mich trotzdem auf meinen Urlaub freue. Davor aber aufs Feiern und miteinander fröhlich sein. Gott gebe dazu seine Gabe.

Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron

16. Juni 2014