Konflikte: Furchtbar oder fruchtbar?

Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?
Amos 3,3

Eine gute Idee kann bald einmal jemand haben, aber dass sie auch umgesetzt werden kann, dazu braucht es mehr als eine/n. Über einige Jahre habe ich in der IT-Branche gearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob ich diese Erfahrungen in der „kirchlichen Welt“ gebrauchen kann. Heute möchte ich diese Erfahrungen nicht missen. Viele Pfarrer/innen sind Einzelkämpfer/innen. Das hat viele gute Gründe, aber nicht nur. Das sind viele Menschen in der IT-Welt auch, aber sie können dennoch gut im Team arbeiten. Warum?

Viele verschiedene Menschen arbeiten für eine Pfarrgemeinde in vielen verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Motivationen und manchmal an verschiedenen Zielen. Letzteres ist auch der entscheidende Unterschied zu einer z.B. IT-Firma: Eine Firma hat ein Ziel, das klar formuliert ist und das die Geschäftsführung von allen Mitarbeitenden einfordert.

Das ist in einer Pfarrgemeinde anders. Und das hat viele gute Gründe, aber nicht nur. Ich denke, dass bei aller Verschiedenheit der Menschen und ihrer Motivationen in einer Pfarrgemeinde ein gemeinsames Ziel formuliert werden kann. Das kann ein Leitbild sein, muss es aber nicht. Auf keinen Fall darf das Ziel vom Pfarrer/von der Pfarrerin allein vorgegeben werden, sondern muss gemeinsam entwickelt werden. Und das geht nur mit – Kommunikation! Und mit einer gut gepflegten Konfliktkultur.

Ich halte eine gute Konfliktkultur für eine gelingende Kommunikation unbedingt erforderlich. Damit meine ich zwischen den beiden Extremen „streitsüchtig“ und „harmoniesüchtig“ einen klaren, offenen und dabei wertschätzenden Umgang untereinander. Freuen wir uns, wenn wir bei einer guten Idee Zustimmung erhalten, seien wir aber auch dankbar, wenn uns offen und ehrlich gesagt wird, wenn es anders ist.

Ich vertraue darauf, dass wir auch unterschiedliche Positionen in einer Pfarrgemeinde gut zusammenbringen, wenn wir offen, klar und wertschätzend miteinander umgehen.

Jede Innovation verändert. Und Veränderung wird von Menschen nicht immer begrüßt. Und daher bringen Veränderungen notwendiger Weise Konflikte mit sich. Wenn wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten, wird es gelingen, diese Konflikte zu lösen und die Gemeinde weiterzubringen.

Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron

01. Juni 2013